Bonzentochter

15,90  inkl. MwSt

Roman

Verlag: Verlag Kern GmbH
Autor: Martin, Michaela

Beschreibung

Die 15jährige Sylvie ist entführt worden. Diese schreckliche Nachricht erhält ihre Schwester Martina, als sie von der Arbeit nach Hause kommt. Wer steckt dahinter?

Nach dem ersten Schrecken verstärkt sich innerhalb weniger Stunden der Verdacht, dass Sylvie ihre eigene Entführung nur vorgetäuscht haben könnte. Was geschah wirklich?

Michaela Martin erzählt in ihrem ersten Roman humorvoll und aufrichtig ein Stück Familiengeschichte. Die Handlung der tragischen Ereignisse wird immer wieder unterbrochen durch gekonnte Rückblenden in die Chronik einer Unternehmerfamilie in Zeiten des Wirtschaftswunders.

Michaela Martin, geboren 1952 in Köln, ist selbständige Rechtsanwältin. Sie arbeitete einige Jahre für das Bayerische und Hessische Fernsehen und war für Buch und Regie mehrerer Dokumentationen verantwortlich. 2005 war sie Protagonistin des HR-Spezials  „Das Erbe der Martins“.

Leseprobe

Es war dieser schreckliche Traum, der Mutter daran zweifeln ließ, dass Sylvie noch am Leben war, so sehr sie sich das auch wünschte. Es war inzwischen auch unwahrscheinlich, dass Sylvie entführt worden war, denn die Entführer hätten sich schon lange gemeldet und ihre Forderungen gestellt. Auch ein Verkehrsunfall schied inzwischen aus, denn laut Polizei war in keinem Krankenhaus der Umgebung ein unbekanntes Mädchen in Sylvies Alter eingeliefert worden. Die Suche der Polizei mit Helikopter und Spürhunden hatte bisher auch keinen Erfolg gehabt. Sylvie blieb spurlos verschwunden, jetzt schon den
dritten Tag.

Die Warterei machte uns wahnsinnig. Wir mussten etwas tun. Aber was konnten wir tun? Die Suche nach Sylvie war bei der Polizei in den besten Händen. Was wir tun konnten, hatten wir längst getan. Wir brauchten also eine Aufgabe, die uns ablenkte. „Was ist eigentlich mit eurer silbernen Hochzeit? Wird die nun gefeiert oder nicht?“

Statt einer Antwort schaute mich Mutter fassungslos an. Unbeeindruckt fuhr ich fort: „Wenn ihr die Feier absagen wollt, müssten wir dann nicht die Verwandtschaft informieren? Schließlich sind es nur noch wenige Tage bis Samstag. Oma hat bestimmt schon ihren Koffer gepackt.“ „Nach feiern ist mir nun wirklich nicht zumute“, sagte Mutter tonlos und starrte zum Fenster hinaus. „Das glaube ich dir aufs Wort, mir auch nicht“, erwiderte ich ehrlich. Meine fehlende Lust auf familiäre Großereignisse hatte aber nicht nur etwas mit Sylvies Verschwinden zu tun, sondern meine Sympathien für Verwandtschaftstreffen, insbesondere dann, wenn sie in meinem Elternhaus stattfanden, hielten sich immer schon in Grenzen. Die Gefahr, dass es zum Krach unter der lieben Verwandtschaft kam, war einfach viel zu groß, als dass man sich entspannt auf ein Wiedersehen mit allen Familienmitgliedern hätte freuen können.

Wir Kinder hatten natürlich keine Ahnung von Omas unglücklicher Ehe und ihrer Entscheidung, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Uns wurde die Tragödie ganz anders verkauft. Die kindergerechte Version hieß: „Oma war sehr schwer krank. Sie hatte Krebs und ist daran gestorben.“ Diese Fehlinformation hatte, von meinen Eltern allerdings unbeabsichtigt, sehr
nachhaltige Auswirkung auf mein Leben. Zum einen bekam ich dadurch schon sehr früh mit, dass Menschen sterben müssen; die einen offensichtlich früher als die anderen. Diese Information allein hätte mich wahrscheinlich nicht besonders beunruhigt, weil man sich als Kind bekanntlich unter dem Tod überhaupt nichts vorstellen kann. Kinder werden erst dann misstrauisch, wenn sie feststellen, dass sich die Erwachsenen komisch benehmen. Wenn Erwachsene zum Beispiel ohne ersichtlichen Grund anfangen ganz leise zu reden, sodass man als Kind keine Chance hat zu verstehen, über was eigentlich geredet wird, dann wird man erst einmal neugierig.

Zusätzliche Information

Autor

Auflage

1.

Erschienen

März 2011

Seiten

260

Einbandart

Softcover